Sturzproblematik und Sturzprävention
Epidemiologische Studien zeigen, dass Stürze sowohl bei Kindern als auch bei Senioren zu den häufigsten Unfallursachen gehören. In der Schweiz ereignen sich 310‘000 Sturzunfälle pro Jahr. Die daraus resultierenden jährlichen Kosten belaufen sich auf rund drei Milliarden Franken, was ungefähr einen Viertel der jährlichen, materiellen Kosten aller Nichtberufsunfälle ausmacht. Besorgniserregend sind insbesondere die tragischen Sturzfolgen: Im Jahr 2007 sind 82% der Todesfälle im Haus- und Freizeitbereich auf Stürze zurückzuführen. 
Senioren
Es wird davon ausgegangen, dass jede dritte Person über 65 Jahre mindestens einmal jährlich stürzt. Mit zunehmendem Alter steigt die Sturzhäufigkeit weiter an. Demnach beträgt diese bei Personen über 75 Jahre knapp 40% und im Alter von 90 - 99 Jahren stürzt bereits jede zweite Person mindestens einmal pro Jahr. Die Risikofaktoren für Stürze bei Senioren sind unterschiedlicher Natur und vielfach der Zusammenschluss von multifaktoriellen Vorkommnissen. In der Literatur wird zwischen intrinsischen und extrinsischen Sturzrisikofaktoren unterschieden. Zu den extrinsischen zählen unter anderem nicht geeignetes Schuhwerk, Umgebungsgefahren, Verwendung von inadäquaten Geh- und Sehhilfen sowie Medikation. Intrinsische Risikofaktoren sind beispielsweise Mobilitäts- und Gleichgewichtsstörungen, verringerte Muskelkraft, Seh- und Hörstörungen, psychische (Depression, Sturzangst) und kognitive Störungen (Demenz), kurzer Bewusstseinsverlust und Synkopen. Muskelschwäche und Gleichgewichtsstörungen gehören zu den zwei wichtigsten Risikofaktoren. Die altersbedingten muskulären Defizite können durch gezieltes Krafttraining positiv beeinflusst werden. Spezifisches Gleichgewichtstraining reduziert nicht nur die posturalen Schwankungen, sondern verbessert auch die Maximal- und Explosivkraft. Ein kombiniertes Kraft- und Gleichgewichtstraining beeinflusst Gangparameter positiv und wirkt sturzpräventiv. 

Kinder
Aus Studien über Kinderunfälle der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) geht hervor, dass Stürze die Hauptursache für Unfälle beim Spielen sind. Die Gründe dafür sind einerseits umwelt- und umgebungsbedingt (fehlende Haltegriffe, Mängel bei Spielplatzgeräten, Lichtverhältnisse, glatte Böden etc.) und andererseits intrinsischer Natur (v.a. Gesundheitszu-stand). Motorische Defizite sowie die noch nicht vollständig ausgeprägte motorische Entwicklung der Kinder zählen zu den wichtigsten Sturzrisikofaktoren. Deshalb nehmen die Bewegungsförderung und insbesondere die Sturzprophylaxe in der Unfallprävention einen hohen Stellenwert ein wobei das Koordinationstraining besonders stark gewichtet werden sollte. Deshalb brauchen Kinder Bewegungsräume, welche Freiraum für ihre Kreativität lassen und das Experimentieren in der Natur ermöglichen. Auf spielerische Art und Weise wird dadurch die kindliche Entwicklung gefördert.

Fazit: Intergenerative Sturzprophylaxe
Experten empfehlen ein gemeinsames Bewegungsförderungsprogramm, um gleichzeitig die hohe Sturzgefahr von Kindern und Senioren zu reduzieren. Im Fokus sollte dabei das Kraft- sowie Koordinationstraining (insbesondere die Verbesserung des Gleichgewichts) stehen. Neben den positiven Effekten auf die physische Leistungsfähigkeit werden durch ein intergeneratives Training auch die sozialen Fähigkeiten der Kinder und Senioren verbessert.