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Ausgangslage


Demographischer Wandel In den vergangenen Jahren kam es in Europa zu einem bedeutenden demographischen Wandel, mit dem deutlichen Trend zur Überalterung der Gesellschaft. Gegenwärtig sind 17.1% der Schweizer Bevölkerung 65 Jahre und älter. Gemäss den neuen Szenarien (Referenzszenario) zur Bevölkerungsentwicklung des Bundesamtes für Statistik wird im Jahr 2060 rund jeder dritte Mensch 65 Jahre und älter sein. Gründe für diesen Wandel sind einerseits eine sinkende Geburtenrate und andererseits eine steigende Lebenserwartung. Die Überalterung der Gesellschaft hat zur Folge, dass die Kosten im Gesundheitssystem, welche auch durch die Zunahme von Stürzen und deren Folgen zustande kommen, enorm steigen werden. Aus diesem Grund gewinnt die Sturzprävention bei Senioren mehr und mehr an Bedeutung.

Bewegungsmangel und veränderte Lebensumstände

In den vergangenen Jahren hat nicht nur ein demographischer Wandel stattgefunden, sondern auch eine Veränderung der Lebenswelten. Urbanisierung, erhöhtes Verkehrsaufkommen und technologische Entwicklungen sind nur einige Gründe dafür.
Aus der Perspektive der Kinder betrachtet führen diese Veränderungen dazu, dass naturnahe Spielmöglichkeiten eingeschränkt werden. Dies hat zur Folge, dass die Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang weniger ausleben können, was zu beträchtlichen motorischen Defiziten in der kindlichen Entwicklung führen kann. Hinzu kommt, dass sich nicht nur die Lebenswelten, sondern auch Lebensumstände gewandelt haben. Die Eltern sind zunehmend arbeitstätig und haben dadurch weniger Zeit, mit den Kindern gesundheits- und bewegungsfördernde Aktivitäten auszuüben wie beispielsweise Spaziergänge oder Parkbesuche. Anstatt Zeit draussen in der Natur zu verbringen, konsumieren die Kinder immer häufiger elektronische Medien, wodurch die für die Entwicklung bedeutenden Primärerlebnisse vermehrt ausbleiben. Durch die angesprochenen Veränderungen wird somit die kindliche Entwicklung auf verschiedenen Ebenen negativ beein-flusst. Die veränderten Lebensumstände wirken sich jedoch nicht nur auf die Kinder, sondern auch auf die Erwachsenen aus. Die Modernisierung führt mitunter dazu, dass die Bewegungszeit im Alltag stark sinkt, da beispielsweise immer mehr Personen den Lift anstatt die Treppe benützen und Auto fahren anstatt zu Fuss gehen. Aufgrund dieser Tatsachen ist es daher nicht erstaunlich, dass sich das Problem der Inaktivität mehr oder weniger über den ganzen Lebensverlauf erstreckt.
Freiraumplanung

Der demographische Wandel bedeutet nicht nur eine grosse Herausforderung für das Gesundheitssystem, sondern fordert auch eine Anpassung im Bereich der Freiraumplanung. Es mangelt zunehmend an Bewegungs- und Begegnungsräumen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bevölkerungsgruppen gerecht werden. Daher ist eine zeitgemässe Gestaltung des öffentlichen Raumes notwendig. Diese sollte zum einen soziale Treffpunkte und Orte des kommunikativen Miteinanders berücksichtigen und zum anderen Bewegungs- und Regenerationsräume im nahen Wohnumfeld für Gesundheit und Wohlbefinden aller Altersgruppen schaffen.

Generationenbeziehungen

Die veränderte Alterspyramide hat weiter zur Folge, dass Beziehungen zwischen den Generationen länger erhalten bleiben. Demzufolge wurde die Generationenfrage in den letzten Jahren vermehrt zum Thema der Öffentlichkeit, Politik und Forschung. Die gesellschaftlichen Umbrüche sind nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für neue Arten der sozialen Organisation und des Zusammenlebens. Generationenpolitik soll nicht als weiteres Feld der Politik betrachtet werden, sondern vielmehr die dynamische Vielfalt von Generationenbeziehungen vergegenwärtigen. Es ist unbestritten, wie wichtig Generationenbeziehungen in allen Bereichen des Zusammenlebens sind. Alt und Jung sind voneinander abhängig. Die Art und Weise wie diese das Zusammenleben organisieren, nimmt auch eine bedeutende Rolle für das Wohlergehen der nächsten Generationen ein.

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Sturzproblematik und Sturzprävention Epidemiologische Studien zeigen, dass Stürze sowohl bei Kindern als auch bei Senioren zu den häufigsten Unfallursachen gehören. In der Schweiz ereignen sich 310‘000 Sturzunfälle pro Jahr. Die daraus resultierenden jährlichen Kosten belaufen sich auf rund drei Milliarden Franken, was ungefähr einen Viertel der jährlichen, materiellen Kosten aller Nichtberufsunfälle ausmacht. Besorgniserregend sind insbesondere die tragischen Sturzfolgen: Im Jahr 2007 sind 82% der Todesfälle im Haus- und Freizeitbereich auf Stürze zurückzuführen. 
Senioren

Es wird davon ausgegangen, dass jede dritte Person über 65 Jahre mindestens einmal jährlich stürzt. Mit zunehmendem Alter steigt die Sturzhäufigkeit weiter an. Demnach beträgt diese bei Personen über 75 Jahre knapp 40% und im Alter von 90 - 99 Jahren stürzt bereits jede zweite Person mindestens einmal pro Jahr. Die Risikofaktoren für Stürze bei Senioren sind unterschiedlicher Natur und vielfach der Zusammenschluss von multifaktoriellen Vorkommnissen. In der Literatur wird zwischen intrinsischen und extrinsischen Sturzrisikofaktoren unterschieden. Zu den extrinsischen zählen unter anderem nicht geeignetes Schuhwerk, Umgebungsgefahren, Verwendung von inadäquaten Geh- und Sehhilfen sowie Medikation. Intrinsische Risikofaktoren sind beispielsweise Mobilitäts- und Gleichgewichtsstörungen, verringerte Muskelkraft, Seh- und Hörstörungen, psychische (Depression, Sturzangst) und kognitive Störungen (Demenz), kurzer Bewusstseinsverlust und Synkopen. Muskelschwäche und Gleichgewichtsstörungen gehören zu den zwei wichtigsten Risikofaktoren. Die altersbedingten muskulären Defizite können durch gezieltes Krafttraining positiv beeinflusst werden. Spezifisches Gleichgewichtstraining reduziert nicht nur die posturalen Schwankungen, sondern verbessert auch die Maximal- und Explosivkraft. Ein kombiniertes Kraft- und Gleichgewichtstraining beeinflusst Gangparameter positiv und wirkt sturzpräventiv. 

Kinder

Aus Studien über Kinderunfälle der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) geht hervor, dass Stürze die Hauptursache für Unfälle beim Spielen sind. Die Gründe dafür sind einerseits umwelt- und umgebungsbedingt (fehlende Haltegriffe, Mängel bei Spielplatzgeräten, Lichtverhältnisse, glatte Böden etc.) und andererseits intrinsischer Natur (v.a. Gesundheitszu-stand). Motorische Defizite sowie die noch nicht vollständig ausgeprägte motorische Entwicklung der Kinder zählen zu den wichtigsten Sturzrisikofaktoren. Deshalb nehmen die Bewegungsförderung und insbesondere die Sturzprophylaxe in der Unfallprävention einen hohen Stellenwert ein wobei das Koordinationstraining besonders stark gewichtet werden sollte. Deshalb brauchen Kinder Bewegungsräume, welche Freiraum für ihre Kreativität lassen und das Experimentieren in der Natur ermöglichen. Auf spielerische Art und Weise wird dadurch die kindliche Entwicklung gefördert.

Fazit: Intergenerative Sturzprophylaxe

Experten empfehlen ein gemeinsames Bewegungsförderungsprogramm, um gleichzeitig die hohe Sturzgefahr von Kindern und Senioren zu reduzieren. Im Fokus sollte dabei das Kraft- sowie Koordinationstraining (insbesondere die Verbesserung des Gleichgewichts) stehen. Neben den positiven Effekten auf die physische Leistungsfähigkeit werden durch ein intergeneratives Training auch die sozialen Fähigkeiten der Kinder und Senioren verbessert.

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Generationenprojekte

Nutzen intergenerativer Bewegungsförderung
Intergenerative Projektarbeit

In den kommenden Jahren wird der Anteil der Senioren, gemessen an der Gesamtbevölkerung, weiter zunehmen, was für Politik und Gesellschaft eine grosse Herausforderung bedeutet. Beide sind gefordert Strategien und Mechanismen zu entwickeln, damit das Altern von allen Beteiligten als positiver Prozess wahrgenommen wird. Aufgrund des demographischen Wandels ist in den letzten Jahren die Forderung nach einer generationenübergreifenden Solidarität gestiegen. Generationenübergreifende Projekte gewinnen an Bedeutung und stossen auf zunehmendes Interesse. Das Potential des intergenerativen Ansatzes lässt sich einerseits aus der Perspektive des generationenübergreifenden Lernens erläutern. Dieses kann dazu beitragen, Disparitäten auszugleichen, d.h. soziale Segregation zu überwinden. Weiter hilft es, mehr Verständnis und Respekt zwischen den Generationen zu schaffen, eine intergenerative Gesellschaft zu formen sowie die Entwicklung individueller Kompetenzen zu unterstützen. Intergenerative Projekte tragen andererseits dazu bei, die Lebensqualität und das Wohlbefinden langfristig zu verbessern. Alltagsnahe Begegnungen zwischen Jung und Alt führen zu positiven Emotionen und Freude in verschiedenen Belangen und helfen, Ängste und Unsicherheiten auf beiden Seiten abzubauen.

Generationenarbeit im bewegungsorientierten Kontext


Bislang wurde den intergenerativen Projekten im bewegungsorientierten Kontext wenig Beachtung geschenkt. Dies ist mitunter deshalb Schade, da gerade das Spielen als eine bedeutende, freiwillige Aktivitätsform des Menschen über die gesamte Lebensspanne gesehen wird, welche die Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt positiv beeinflusst. Dem Spielen wird ein enormes Potential zugeschrieben, da es wie keine andere Aktionsform die physischen, psychischen und sozialen Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten fördert und insbesondere die Wahrnehmungs- sowie Erlebnisfähigkeit positiv beeinflusst. Mit anderen Worten fordern Spiele den Menschen auf eine ganzheitlich Art und Weise. Spielerische körperliche Aktivität (Bewegungsspiele, Sportspiele etc.) wird daher als ideale Grundlage für generationenübergreifende Bewegungsförderung gesehen. Deshalb soll der intergenerativen Projektarbeit im bewegungsorientierten Kontext mehr Aufmerksamkeit zugesprochen werden. Die Bewegungsförderung ist ein wichtiges Thema. Bei den Kindern steht die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten im Vordergrund, wo hingegen bei den Senioren deren Erhaltung zentral ist. Diese Tatsachen sollen motivieren, zukünftig Bewegungsräume zu schaffen, welche den Bedürfnissen von Jung und Alt gleichermassen gerecht werden. Nur so kann das Potential des intergenerativen Ansatzes optimal genutzt werden.

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